Frau Wagner rüstet sich

nach Baudelaire und Stendhal.

„Es hilft nichts. Man muss den Wagen besteigen.“

Die Manege ist keine durch Konvention vorgegebene Konstruktion. Ihr Durchmesser stimmt genau mit der Länge der Peitsche des Dompteurs überein, die vom Mittelpunkt der Manege aus jedes Tier erreichen muss, das aus der Reihe zu brechen versucht.
Zivilisation bedeutet Dressur der Natur und Anpassung an Regeln. Nur im schmerzhaft erzwungenen Gleichmaß entsteht Schönheit. Das Individuum kann deshalb mit sich allein nicht viel anfangen. Zivilisation gibt es nur in der Gesellschaft.
Der Mensch ist von Natur aus künstlich.
Die Darsteller organisieren deshalb die Körper immer wieder neu, im schmerzhaften Gleichmaß exerzieren sie die Haltungen und Figuren vergangener Zeiten, zwingen sich in die Ästhetik des Einklangs mit dem Bestehenden.

Nieder mit dem maßlosen Dämon!
knattert auf ihrer Fahne.
Edle Einfalt und stille Größe!
fordern sie mit rauen Kehlen.
Kunst im Disziplinierungskonzept. Jeder überwacht jeden. Wer aus der Reihe tanzt, ist bereits subversiv und wird bestraft.
Un! Deux! Trois! brüllt der Takt.
Begafft den König!
Bewundert den König!
„Es wird Krieg geben, meine Liebe!“
Frau Wagner hat genug vom Kriechsystem und lässt sich entschuldigen.
Frau Wagner will Zeugen.
Und nun Maestro: Musik!

es spielen:
Christian Behrend – als Behrend
Janne Gregor – als Gregor
João Victor Toledo – als Toledo
Grit Wagner – als Frau Wagner
Mathias Znidarec – als Znidarec

Musik:
Benjamin Lahusen, Judith Hille, Lena Hille, Clara Thorbecke

Regie: Daniel Wittkopp
Choreographie: Janne Gregor
Bühnen- und Kostümbild: Miriam Lahusen
Maske: Lena Hille